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Kirchengeschichte Absberg 2014

Absberg-Christus-Kirche
Foto: Kuhn

Absberg

Warum steht in Absberg das ka­tholische Pfarrhaus neben der evangelischen Kirche? Warum ist das evangelische Pfarrhaus so weit von der Kirche entfernt? Die erste Frage lässt sich dahingehend be­antworten, dass die evangelische Kirche von der Mitte des 17. Jahr­hunderts bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts von beiden Konfessi­onen genutzt wurde. Der Deutsche Orden hatte in dieser Zeit die Herr­schaft im Dorf und so ließ der Land­komtur Karl Heinrich von Hornstein in den Jahren 1729/30 durch den Ellinger Deutschordensbaumeister Franz Joseph Roth das katholische Pfarrhaus neben der Kirche errich­ten.
Dass das evangelische Pfarr­haus von der Kirche, deren Weihe am Wochenende begangen wird, so weit entfernt ist, liegt daran, dass die alte, aus vorreformatori­scher Zeit stammende Absberger Kirche, die St. Cyriakus und St. Ot­tilia geweiht war, im Bereich des heutigen Friedhofs lag. Sie wurde zur Zeit der Ungarneinfälle zerstört. Eine neue Kirche wurde während der Amtszeit von Gundekar II., der von 1057 bis 1075 Bischof in Eich­stätt war, in „Abbatesberc" ge­weiht.
1327 wird die Kirche von Abs­berg, bis dahin eine Filiale der Pfar­rei Pfofeld, zur Pfarrkirche erhoben. In einem Visitationsbericht aus dem Jahr 1458 ist zu lesen: „Abtsperg Ecclesia Parrochialis S. Ottili Virginis" (= Pfarrkirche der Jungfrau Ottilia in Absberg) und in einer Urkunde aus dem Jahr 1480 steht, dass der Ritter Engelhard von Absberg das Präsentations­recht für die Kirche „S. Ciriaci er Otilie"hat. Das alte Pfarrhaus stand gleich neben dieser Kirche und der Neubau des Pfarrhauses wurde im 18. Jahrhundert an der Stelle des Vorgängerbaues vom Ansbacher Hofbaumeister Johann David Steingruber errichtet.
Warum die neue Kirche von den Herren von Absberg 1598 nicht an der Stelle des alten Gotteshauses erbaut wurde, lässt sich nicht mehr genau klären. Vielleicht wollte sie der Erbauer, Konrad von Absberg, näher an seiner Burg haben. Die meisten Kirchen haben einen Pat­ron oder eine Patronin, sind Maria, Aposteln oder Heiligen geweiht. Lange Zeit hatte die Absberger Kir­che kein Patrozinium, bis sie in jüngerer Zeit den Namen „Christuskirche" bekam. Dass sie weder Maria noch sonst einen Heiligen als Patron hatte, liegt daran, dass sie als erste rein evangelische Kir­che von Hans Konrad von Absberg zum größten Teil auf seine Kosten errichtet wurde.
Beim Bau hielt man sich an die traditionelle Form des Kirchen­baus. An ein rechteckiges, mit ei­ner Flachdecke versehenes Lang­haus schließt sich ein an den Ecken abgeschrägter Chorraum mit Flachdecke an. Der Turm, in dessen Untergeschoss sich die Sakristei befindet, steht nördlich des Chors. Über vier quadrati­schen Geschossen erhebt sich das achteckige Glockengeschoss, das von einer Kuppelhaube ge­krönt wird. In den Winkel zwischen Turm und Langhaus ist ein Trep­pentürmchen gesetzt.
Nachdem unter den Herrn von Absberg die Reformation ohne Probleme eingeführt worden war, gab es einen Einschnitt, als 1652 der Deutsche Orden die Herrschaft übernahm. Von nun an wurde die Kirche von beiden Konfessionen genutzt. Die Rechte der evangeli­schen Gemeinde wurden immer mehr eingeschränkt, beispielswei­se, dass sie sich für die eigenen Gottesdienste nach den Gottes­dienstzeiten der katholischen Ge­meinde richten musste und bald nur noch in der eigenen Kirche mehr oder weniger geduldet war. Das änderte sich erst 1834, als die Kirche des Deutschordensschlos­ses den katholischen Christen als Pfarrkirche zur Verfügung stand.
Mehrfach hat die Christuskirche ihr Aussehen im Inneren verändert. 1884 wurde der Kirchenraum neu­gotisch gestaltet. Einer der weni­gen in der hiesigen Gegend erhal­tenen Renaissancealtäre aus dem Jahr 1599 wurde mit einem neugo­tischen Überbau versehen, der bei der Kirchenrenovierung 1958 wie­der entfernt wurde. Damals wurde auch die neugotische Wandbema­lung überstrichen, der Kanzelde­ckel und der Kanzelkorpus neu gestaltet und der bisherige Tauf­stein verschwand. An seine Stelle trat der alte Taufstein aus der Neuenmuhrer St.-Jakobus-Kirche, eine einfache hochgezogene, runde Schale auf einer Rundschäule. Er­halten blieb das Deckengemälde im Langhaus, die Himmelfahrt Christi darstellend, und im Chor, das das Lamm Gottes mit der Sie­gesfahne zeigt. Erhalten blieben auch die wert­vollen Epitaphien der Herren von Absberg. Die größten und präch­tigsten befinden sich an den Wän­den des Chorraums. Auf der Süd­seite ist das große Kalksteinepitaph des Christoph von Absberg zu stehen. Der 1562 verstorbene Rit­ter kniet vor dem Kruzifix. Im Hintergrund des von zwei marmorier­ten Säulen flankierten Reliefs ist die Stadt Jerusalem zu sehen.
Auch wenn die Christuskirche neben dem mächtigen Bau des na­hen Deutschordensschlosses et­was klein erscheint, lohnt sich ein Besuch. Weil das Gotteshaus aber kein Museum ist, wirkt der Raum erst, wenn sich eine zahlreiche Ge­meinde darinnen versammelt. Die geöffneten Türen der Kirche laden sonntags, aber auch werktags ein. GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 10.10.2014

©  Text: Pfarrer i.R. Günter L. Niekel, Muhr am See

© Titel-Foto: Horst Kuhn

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

Altarraum Absberg

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