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Wort zum Volkstrauertag 2019

Wort zum Volkstrauertag

Da war doch noch was an diesem Sonntag.

Volkstrauertag heißt der Tag - zu Recht, nicht Heldengedenktag.

Es gibt keine Helden, nur verletzte Menschen.

 

Der Volkstrauertag als ein allmählich verblassendes rückwärtsgewandtes Ritual?

Der unmittelbare Schmerz über den Verlust der eigenen Angehörigen prägte bei uns in Deutschland in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg das Gedenken. Es scheint, als ob die Trauer um die Gefallenen ihre gesellschaftlich verbindende Kraft angesichts des zeitlichen Abstands verloren hat. Dieser Gedenktag versucht das Bewusstsein sowohl für die objektiven Ereignisse des Ersten und Zweiten Weltkriegs als auch für die persönlichen Leiden und Erschütterungen der einzelnen Menschen aufrechtzuerhalten.

 

Der Blick über das eigene Volk hinaus und in die Gegenwart hinein ist dabei  selbstverständlich. Der Volkstrauertag wird zu einem Innehalten nicht nur für den Blick zurück, sondern auch, um die gegenwärtigen Opfer und Täter von Gewalt in den Blick zu nehmen. Das Leid der Opfer früherer Zeit wird mit dem heutiger Zeit verbunden.

Im Gedenken nehmen wir Teil am Grauen und Erschrecken, an der Angst und der Trauer derer, die direkt betroffen waren. Was sie erzählen, wird ein Stück unserer Erinnerung. Vor allem ihre Empfindungen und Gefühle: Die Trauer über das Verlorene und die Wut über die Sinnlosigkeit.

Vieles von dem, was längst vergangen schien rückt uns plötzlich auf den Leib angesichts der andauernden Kriegsbilder aus der ganzen Welt und den furchtbaren Attentaten in unmittelbarer Nähe.

Wir blicken zurück, lassen zu, was gewesen ist, machen uns bewusst, wozu Menschen aller Religionen fähig sind. Das sind wir den Opfern und Hinterbliebenen schuldig, aber letztlich auch uns.

 

Das Wissen um die eigene Geschichte verpflichtet uns, die Stimme zu erheben gegen Verletzungen der Menschenrechte und des Völkerrechts in allen Teilen der Welt.

Dass man Krieg als Kampf um Land, Recht oder Gerechtigkeit und Demokratie verklärt, mag die Wahrheit verdunkeln, aber vermag sie nicht zu ändern. Verletzte Trauernde und blutbesudelte Sieger, zerstörte und entstellte Überlebende und zahllose anklagende Tote sprechen auch heute noch eine deutliche Sprache. Und: wieder Reichtum und Armut.

 

Und dennoch beinhaltet der Gedenktag nicht in verkürzender Form einen prinzipiellen Pazifismus und damit situationsunabhängigen und ausnahmslosen Ablehnung des Einsatzes von Gewalt. Wo ein Krieg nach menschlichem Ermessen einmal geführt werden muss, steht er dennoch immer unter einem Schuldvorbehalt. Wer, orientiert durch die Selbstoffenbarung  Gottes in Jesus Christus um Antworten ringt, wird zu keinen leichten und gefälligen Antworten gelangen.

So genießt zum Beispiel der Fremde in beiden Testamenten der Bibel einen besonderen Schutz und entspricht die Liebe zum anderen dem höchsten Gebot. Das schließt ein sich Schützen allerdings nicht aus. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Selbstschutz und Offenheit ist auszuloten.

 

Sich die Geschichte zu vergegenwärtigen macht Sinn, wenn wir die darin enthaltenen Erfahrungen sprechen und wirken lassen und entsprechende Schlüsse für das Heute und Lehren daraus ziehen.

Das ist leichter gesagt als getan. „Nie wieder Krieg!", so lautete das Fazit nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Volkstrauertag ist inhaltlich eine Absage an die Leidenschaft zum Krieg. Bemerkenswert und erwähnenswert sind die Worte eines deutschsprachigen Schriftstellers aus Jerusalem, Elazar Benyoetz: „Frieden gibt es nur dort, wo Menschen nicht allein gegen den Krieg, sondern auch gegen das Siegen sind".

 

Deakn Klaus Mendel

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